Busfahrt zur Klima-Kohle-Demo war ein voller Erfolg
Ralf Külker vom NABU stellte mit seinem Plakat den regionalen Bezug des Klimawandels zum Kreis Gütersloh her: Es zeigte Fotografien von Bäumen aus dem Kreisgebiet, die Schäden an der Rinde durch die enormen Temperaturschwankungen im Frühjahr erlitten hatten und jetzt von eindringenden Giftpilzen befallen sind. Auch der Insektenbefall durch Borkenkäfer und Kastanienminiermotte sei dem Klimawandel geschuldet, bestätigte Ralf Külker und unterstrich noch: „Nicht nur auf von uns weit entfernten Pazifikinseln werden die grausamen Folgen des Klimawandels jetzt schon spürbar, sondern auch buchstäblich bei uns vor der Haustür!“
Auf der Fahrt, die unter anderem am Kohlekraftwerk Hamm-Uentrop vorbeiführte, erklärte Kurt Gramlich von der Bürgerinitiative Energiewende Gütersloh: Circa 2 Drittel der Kohle-Energie wird als Abwärme ungenutzt in die Atmosphäre abgegeben, dazu wird das Wasser der Lippe verdunstet. In Deutschland entsteht über die großen Kraftwerke eine ungenutzte Abwärmemenge, die der gleichen Menge entspricht, die wir alle aufwänden, um sämtliche Gebäude der Bundesrepublik zu beheizen. Außerdem wies er darauf hin, dass „der größte Dreck“ nicht aus dem Kühlturm, sondern nahezu unsichtbar aus den höheren Schornsteinen komme und es durchaus „bis zu uns nach Gütersloh“ schaffe.
Ludger Klein-Ridder vom Solarenergie-Förderverein der AFS, bzw. der Linken GT, wies darauf hin, dass nicht etwa die Atomkraft als Ersatz für die Kohlekraft gesehen werden dürfe. Er bezog sich auf das Buch“Störfall Atomkraft“, das noch vor der Fukushima-Katastrophe erschienen war und in dem vor einem ähnlichen Katastrophenszenario gewarnt wurde. Für die Energieversorgung müßten vielmehr die regenerativen Energien genutzt werden.
Camila Cirlini erläuterte, dass allein 18 % der klimaschädlichen Gase durch die sogenannte „Nutztier-Industrie“ produziert werden und somit die Nutzung tierischer Produkte als größter Einzelverursacher gesehen werden kann. Die Beendigung der Massentierhaltung sollte im Kampf gegen den Klimawandel gleichermaßen angegangen werden wie der Kohleausstieg und ein Glyphosat-Verbot, wenn wirksamer Klimaschutz betrieben werden soll. In diesem Sinne wurden an Bord auch vegane Snacks in Form von Möhren-, Fenchel- und Tomatenstücken verteilt.
Nach der Auftaktkundgebung auf dem Münsterplatz, die u.a. von Rednern von Miserior, des BUND, von Ende Gelände, von Campact und namhaften Klimaschützern z.B. aus Mozambique und Peru gestaltet wurde, setze sich der friedliche Demonstrationszug tausender Aktivisten in Bewegung. Die Reisegruppe teilte sich zeitweilig auf, viele trafen KollegInnen aus dem ganzen Bundesgebiet. Die Albert-Schweitzer-Stiftung zum Beispiel, die mit zu der Großdemonstration aufgerufen hatte, war mit einer als Kühe verkleideten Gruppe im Demonstrationszug repräsentiert. Aber auch Gruppen aus Asien und Afrika waren zahlemäßig stark vertreten und forderten lautstark „Climate Justice“, also Klimagerechtigkeit. Besonders beeindruckend war die Über- bzw. Unterquerung des Tunnels auf der Bonner Adenauerallee (B9): dort teilte sich der Demonstrationszug in drei Partien und bot einen faszinierenden Überblick über liebevoll gestaltete Banner, Kostüme und Exponate. 3.500 RadlerInnen aus ganz Europa hatten sich unmittelbar vorher eingereiht, und das veranstaltende Aktionsbündnis zählte 25.000 Menschen auf dem Weg zur Schluss-Kundgebung am Bonner Kunstmuseum. Dort waren entlang der Genscherallee Stände vieler Umweltschutz-Organisationen und Parteien aufgebaut. Über einer großen Redner-Bühne wurde mit einem Kran eine Konstruktion mit überdimensional großen schwarze Ballons mit dem Schriftzug „End Coal“ dutzende Meter in die Luft gehoben. Dort kamen mehrere Betroffene, u.a. von den Marshall-Inseln, aus dem Senegal und von den Philippinen zu Wort und forderten eindringlich wirksame Maßnahmen von den Industrienationen. Es wurde vielfach betont, wie der Klimawandel Menschen in die Flucht treibt, ob durch Dürren oder Wirbelstürme. Klimaschutz sei somit die wichtigste Fluchtursachenbekämpfung.
Lauten Applaus bekam auch die Solidarisierung mit der Bewegung „Ende Gelände“, deren AktivistInnen im Sinne des zivilen Ungehorsams in gewaltloser Weise auf dem RWE-Gelände des Hambacher Tagebaus Polizeiketten durchbrechen und die Braunkohlebagger besetzen oder Schienen blockieren.
Anschließend spielte die „Hop-Stop-Banda“ auf.
Kurz vor Rheda-Wiedenbrück bedankten sich Oliver Groteheide und Camila Cirlini stellvertretend für das Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung bei den Mitreisenden für ihre Aufgeschlossenheit und Konstruktivität und natürlich beim Busfahrer der Firma Bröskamp für die sichere gute Fahrt.

