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Probeentnahme aus der Ems
Probeentnahme aus der Ems

Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung

Multiresistente Keime in der Ems - Bündnis fordert Stopp der Genehmigung

Bernhard Bußwinkel vom Kreis Gütersloh hat recht: die Keimbelastung der Ems kann viele Ursachen haben. Das Vorkommen multiresistenter Keime flussaufwärts der Kläranlage spricht für die Massentierhaltung als einem der Verursacher. Aber auch Krankenhäuser und Schlachthöfe sind potentielle Verbreiter multiresistenter Keime. Bis die Ursachen der Verunreinigungen geklärt und beseitigt sind, muss die Genehmigung der Kapazitätserweiterung der Schlachtfabrik Tönnies gestoppt werden. Gleiches gilt für alle Verfahren zur Genehmigung von Mastanlagen im Kreis Gütersloh. 
Bereits jetzt landet die Ems im Ranking der zehn großen deutschen Flussgebiete auf dem letzten Platz. Der Fluss gilt als dreckig und verschlickt. Die Nitratbelastung der Ems ist vier Mal so hoch, wie sie sein sollte. Nun kommt der Nachweis gefährlicher multiresistenter Keime dazu. Die GNU rät darum zu einem Badeverbot und einem Verbot von Wassersport.
Die Untersuchung ergab, dass Keime in der Ems gegen bis zu acht von vierzehn untersuchten Antibiotika immun sind. Es wurden sogar Resistenzen gegen drei von vier Reserveantibiotika nachgewiesen. Reserveantibiotika kommen bei schweren Infektionen zum Einsatz, wenn alle anderen Antibiotika versagen. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene geht von bis zu 30.000 Todesfällen jährlich verursacht durch multiresistente Keime aus. 
Am 13. Juni diesen Jahres fand auf Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eine öffentliche Anhörung im Bundestag zum Thema „Unser Wasser vor multiresistenten Keimen schützen (BT-Drucksache 19/1159)“ statt. Die Expertenanhörung einschließlich der schriftlichen Stellungnahmen der Sachverständigen stehen auch allen Verantwortlichen im Kreis Gütersloh zur Verfügung unter:
www.bundestag.de/ausschuesse/a16_umwelt/oeffentliche_anhoerungen/oeffentliche-anhoerung-13-sitzung-keime-inhalt/557576
Vor diesem Hintergrund könnte sich die Behauptung der Firma Tönnies, das Abwasser der Schlachtfabrik sei sauberer als häusliches Abwasser, als Gipfel der Verharmlosung erweisen.
Die Experten sind zudem der Meinung, die Ozonfiltration in der vierten Reinigungsstufe in Klärwerken stelle keine ausreichende Barriere für multiresistente Keime dar. Sie gehen davon aus, dass dafür eine fünfte oder sechste Stufe nötig sei. Das führe allerdings zu drastischen Gebührensteigerungen, einem erhöhten Energiebedarf sowie höheren Kohlenstoffdioxidemissionen und mehr Reststoffen. Die Kosten für weitere Reinigungsstufen sollten nicht den Bürgern auferlegt werden, sondern den Verursachern in Rechnung gestellt werden.
Die Sachverständigen vertreten aufgrund der umfangreichen Problematik einhellig die Meinung, dass vorrangig die Einbringung multiresistenter Keime verhindert werden muss.
Die NRW-Landesregierung hat für nächstes Jahr Untersuchungen von Gewässern in NRW angekündigt. Auch das bundesweite Forschungsprojekt Hyreka erforscht die Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien durch die Landwirtschaft und Abwässer aus Kliniken und Schlachthöfen. Die Ergebnisse sollen 2019 vorgestellt werden. 
Das Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung verlangt kreisweite Untersuchungen von Gewässern hinsichtlich der Resistenzbelastung. Es müssen die „hotspots“ gefunden werden, an denen multiresistente Keime in die Gewässer gelangen. Es ist auch zu klären, inwieweit die kontaminierten Klärschlämme, die in den Klärwerken anfallen, zu einer Verbreitung multiresistenter Keime beitragen.
Mit der Vorgehensweise frei nach dem Grundsatz „Was nicht vorschriftsmäßig getestet werden muss, wird auch sicherlich nicht vorhanden sein.“ wollen sich die Gütersloher Bürger nicht zufrieden geben. Das haben wir während unserer zahlreichen Protest-Aktionen immer wieder gehört. Wir haben Tausende Unterschriften gesammelt; man stand sogar Schlange, um gegen die Tönnies-Erweiterung zu unterschreiben. Leider machten auch viele Gütersloher deutlich, dass man sich machtlos fühle gegenüber dem Tönnies-Konzern und der folgenschweren Entscheidungen der Kreisverwaltung. 
Bis alle Untersuchungen abgeschlossen sind, ausgewertet und öffentlich diskutiert sowie Maßnahmen getroffen wurden, um die Verbreitung der Keime zu verhindern, müssen alle Vorhaben zu Bau oder Erweiterung von Mastanlagen und Schlachthöfen gestoppt werden.

Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung: buendnis-gegen-die-toennies-erweiterung.de
Ergebnisse der Wasseruntersuchung: www.gnu-gt.de/keime_in_der_ems.html
Fotos: Probeentnahme aus der Ems